190 Jahre Zwartz – ein Familienunternehmen, das sich stetig erneuert

Dieses Jahr feiert Zwartz sein 190‑jähriges Bestehen. Ein Meilenstein, den wir keineswegs unbemerkt lassen. Seit 1835 sind wir als Textilproduzent in Oldenzaal aktiv. Noch immer arbeiten wir eigenständig, mit eigener Produktion und als Familienunternehmen. Diese Kombination – unabhängig, innovativ und über Generationen weitergegeben – ist in der niederländischen Textilwelt zunehmend zur Ausnahme geworden. Für uns ist sie Standard. Wir blicken kurz zurück, wie alles begann und welche Entscheidungen uns dorthin geführt haben, wo wir heute stehen.

Von Spitzname zur Unternehmensbezeichnung

Der Name Zwartz geht zurück auf Izak Salomon, der 1801 aus dem deutschen Guntersblum nach Oldenzaal kam. Dort nannte man ihn bald „den Schwarzen“, zur Unterscheidung von einem gleichnamigen Mann mit weißem Bart. Dieser Spitzname wurde schließlich sein offizieller Nachname: Zwartz.

Sein Sohn, Salomon Izak Zwartz, begann 1835 mit einer eigenen Produktion. Er ließ etwa vierzig Webstühle bei Bauern in der Region aufstellen und stellte Garn für die Herstellung von Bombasin – einem robusten Gewebe aus Leinen und Baumwolle – zur Verfügung. So wurde Zwartz zu einem unabhängigen Hersteller in einer Zeit, in der die Textilindustrie noch weitgehend handwerklich geprägt war.

Wachstum im eigenen Tempo

1845 machte Zwartz einen ersten Schritt in Richtung Professionalisierung mit dem Kauf einer Fabrik und eines Grundstücks an der Hofstraat in Oldenzaal. Aus historischen Quellen geht hervor, dass dort 1848 rund neun Personen beschäftigt waren.

Bis 1864 ähnelte Zwartz noch vielen anderen Textilunternehmen in den Niederlanden. Danach vollzog sich ein schneller Wandel. Die industrielle Produktion nahm Fahrt auf, und kleine Hersteller gerieten unter Druck. Wer nicht in Dampfmaschinen investieren konnte, musste sich anpassen – oder aufgeben.

Zwartz entschied sich für die Anpassung und wechselte zur Produktion von Leinen und Jute. Vor allem Jute bot noch Möglichkeiten innerhalb der bestehenden Heimarbeit, im Gegensatz zu Baumwollstoffen, die zunehmend maschinell gefertigt wurden. Auf diese Weise konnte Zwartz zunächst im gewohnten Rahmen weitermachen.

Als auch die Juteproduktion industrialisiert wurde und die traditionelle Arbeitsweise nicht mehr mit dampfbetriebenen Webereien konkurrieren konnte, stand die zweite Generation – Nathan, Izak und Salom, Söhne von Salomon Izak – erneut vor einer wegweisenden Entscheidung: Wie weiter?

Zwartz wandelte sich in ein Handelsunternehmen um. Durch den Einkauf fertiger Materialien und den Verkauf unter eigenem Namen musste das Unternehmen nicht mehr mit den aufkommenden mechanisierten Jutewebereien konkurrieren. In den darauffolgenden Jahren wurde der Garnankauf schrittweise reduziert, während der Handel mit fertigen Jute- und Leinenprodukten wuchs. 1907 stellte Zwartz die eigene Produktion vollständig ein und war fortan ein Handelsbetrieb.

In den darauffolgenden Jahren, unter der Leitung der dritten Generation – der Cousins Salomon Izak (jun.) und Albert Zwartz – schlug das Unternehmen erneut einen neuen Kurs ein. Sie erkannten Chancen im sich wandelnden Markt und begannen 1924 mit der Montage von Matratzenbezügen. Drei Jahre später, auch aus finanziellen Gründen, fiel die Entscheidung, die gesamte Produktion wieder ins eigene Haus zu holen. Zwartz war damit erneut ein produzierendes Unternehmen.

Die Produktion wuchs schnell. Um diesem Wachstum gerecht zu werden, errichtete Zwartz 1927 eine eigene Fabrik an der Parallelstraat in Oldenzaal. Das Unternehmen expandierte weiter – mit der Herstellung von Matratzenunterlagen und einem zunehmenden Handel mit Jutegewebe, Planen, Matratzenleinen und Tapetenleinen. Durch die Erweiterung des Lagers und der Logistikflächen betrug die überbaute Fläche 1938 mehr als 1.500 m².

Neue Richtung und internationales Wachstum

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Herbert Frederik Zwartz, Sohn von Albert, die Geschäftsführung. Wachstum und Innovation prägten die Nachkriegszeit. Die überbaute Fläche wuchs deutlich – von 1.500 m² auf über 9.000 m². Parallel dazu investierte das Unternehmen in neue Maschinen und zusätzliche Lagerkapazitäten.

In den 1960er Jahren ging Herbert einen wichtigen Schritt: die Entwicklung textiler Wandverkleidungen. Dafür wurde eine eigene Tochtergesellschaft gegründet: die Murlin Company. Das Produkt fand Absatz im In- und Ausland – von Büros und Wohnräumen bis hin zu Hotels und Gastgewerbe.

Die Innovationskraft von Zwartz war während der Textilkrise der 1970er Jahre von großem Wert. Während viele Unternehmen in der Region durch die zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnländern vom Markt verschwanden, blieb Zwartz eigenständig. Durch ständige Erneuerung, genaue Marktbeobachtung und die Konzentration auf Anwendungen mit Mehrwert konnte sich das Unternehmen behaupten.

1985 feierte Zwartz sein 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde ein Buch über die Unternehmensgeschichte veröffentlicht: „Elke dag een draadje“. Es dokumentierte die Rolle der Familie und des handwerklichen Könnens in der Geschichte von Zwartz.

In den 1990er Jahren übernahm mit Ronald Albert Zwartz die fünfte Generation die Leitung. Er trat die Nachfolge seines Vaters Herbert an und setzte auf einen Kurs der Modernisierung und weiteren Internationalisierung. Durch die Erweiterung des Sortiments um spezialisierte Textillösungen konnte sich Zwartz behaupten – auch in einer Zeit, in der viele andere Textilunternehmen in der Region verschwanden.

Umziehen, erweitern und weiterdenken

2002 zog Zwartz in das heutige Gebäude an der Münsterstraat in Oldenzaal. Mit modernen Produktionshallen und technischen Einrichtungen erhielt das Unternehmen Raum für weiteres Wachstum und die Entwicklung neuer Textillösungen.

Fünf Jahre später folgte ein weiterer Entwicklungsschritt: die Gründung von Zwartz Laminating & Converting. Für diesen Ausbau wurde eine separate Halle errichtet, die speziell für das Laminieren, Konsolidieren und Konvertieren von Textilien und anderen Vliesstoffen eingerichtet wurde. Seitdem ist das Laminieren ein fester Bestandteil unserer Arbeitsweise. Es ermöglicht uns, Textilien nicht nur selbst zu produzieren, sondern sie auch direkt zu verarbeiten – passgenau nach den Anforderungen unserer Kunden.

Die Geschichte von Zwartz ist von kontinuierlicher Erneuerung und der Entwicklung neuer Anwendungen geprägt. 2012 führte das zur Gründung von Zwartz Decorations. Mit einem breiten Spektrum an Materialien, Webkonstruktionen und Farben konnte Zwartz in kurzer Zeit ein umfangreiches Sortiment für den Dekorationsbereich aufbauen.

2024 haben wir unsere Mission geschärft: Zwartz möchte eine nachhaltige Vorreiterrolle in der Textilbranche einnehmen – sowohl in der Produktion als auch im Sortiment. Deshalb setzen wir konsequent auf natürliche Fasern: in der Eco-Line von Zwartz Decorations ebenso wie in unserer großflächigen technischen Textilproduktion. Zudem liegt unser Fokus stark auf der Reduzierung von Mikroplastik in Böden und Gewässern – durch den Einsatz natürlicher und biologisch abbaubarer Geotextilien, wo technisch möglich. Anfang 2025 haben wir diesen Ansatz weiter konkretisiert – mit der Installation von über 800 Solarmodulen auf dem Dach unserer Produktionshalle, um möglichst viel mit eigenem, nachhaltigem Strom zu arbeiten.

Sechs Generationen weiter

Inzwischen hat die sechste Generation die Leitung übernommen: Roderik Zwartz hat in diesem Jahr das Ruder von seinem Vater Ronald übernommen. Wie seine Vorgänger vereint er Marktkenntnis mit Nähe zur Produktion, zu den Mitarbeitenden und zu unseren Kunden. Unter seiner Führung liegt der Fokus noch stärker auf Innovation und Entwicklung: auf der Erforschung neuer Anwendungen, dem Einsatz natürlicher Fasern als Alternative zu synthetischen Materialien und dem weiteren Ausbau unserer Rolle als anerkannter Branchenexperte.

Mit Blick auf die Praxis voran

Zwartz hat sich immer an die Anforderungen der Zeit angepasst. Deshalb bestehen wir auch nach 190 Jahren noch. Heute konzentrieren wir uns auf drei zentrale Pfeiler, die unsere Zukunft bestimmen: Mit Zwartz Decorations liefern wir hochwertige, nachhaltig produzierte Dekorationsmaterialien – lokal gefertigt in Oldenzaal und in europäischer Qualität. Mit Zwartz Laminating bringen wir unsere Fachkenntnis ein, um Kunden bei Materialauswahl und Produktionsprozessen zu beraten. Mit unseren Laminiermaschinen verleihen wir verschiedenen Materialien neue Eigenschaften.

Und in unserer eigenen Weberei produzieren wir weiterhin technische Textilien aus natürlichen Fasern – für Anwendungen in Technik, Landwirtschaft, Bauwesen, Wasser- und Straßenbau und mehr. So entwickeln wir Lösungen, die den technischen und ökologischen Anforderungen unserer Kunden gerecht werden.

190 Jahre Erfahrung haben uns dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Sie machen uns zu einem Partner, der nicht nur produziert, sondern mitdenkt und Orientierung bietet. Dieser Innovationsgeist steckt in unserer Arbeitsweise – und in den Menschen, die unser Unternehmen prägen.

Damit bauen wir weiter. Auf die nächsten 200 Jahre.